Skas Trip Teil 3

Zypern

14.10.2011

Habe gestern ein Flugticket von Larnaka nach Tel Aviv gebucht. Mit Rad. Das Rad muss in eine Kiste- die Pedale muessen abgeschraubt sein und in den Reifen darf sich keine Luft befinden. Der Sinn dabei ist, dass ich mehr Arbeit hab. Habe in Larnaka 3 Stunden nach einer passenden Schachtel gesucht. Da ich nicht 15 Euro fuers Taxi ausgeben wollte bin ich dann, unter lautem Hupen aber ohne Sturz, mit einer 2mx2mx50cm Schachtel am Ruecken zum Flughafen geradelt. Alles abgebaut und verstaut hatte mein restliches Gepaeck genau 20,01 kg. (20 sind erlaubt…)puhhh.

Manchmal ist man eben unwiderstehlich. Mein Tipp:  Anscheinend, vor allem dann, wenn man verschwitzt, ungeduscht und oelverschmiert mit Riesenpaketen am Flughafen herumlauft. Da hat sich gleich die Eincheckfrau und der wichtige Cyprus Air Mitarbeiter in mich verliebt. Von da an gings dann flugs und ohne irgendein anstehen bis zum Flieger.

Israel

15.10

Der Flug war ein StewardesseInnen Geschwindigkeitswettbewerb. 35min inklusive Starten , Landen und Essen. Mein Hals schmerzt. Ich habe die Nacht am Flughafen Tel Aviv verbracht. Leider gibts da so viel Militaer, dass man keinen Platz zum hinlegen hat. Habe also im sitzen geschlafen und bin dann in der Frueh in die Stadt. Fast alle Strassen sind vierspurig und ich bin darauf allein. Eine tolle Stadt. Hab dann festgestellt, dass gerade Samstag ist und Juden da nicht Autofahren duerfen. Es hat leider auch ALLES geschlossen. Nur der Subway nicht. Dort habe ich eine australischen Radlfahrer getroffen, der, als er in Indien mit einem Motorad unterwegs war, einen Israeli kennengelernt hat, der ihm die Nummer eines Freundes gegeben hat, bei dem wir jetzt vielleicht schlafen koennten. Zapzarap – schon hatte ich Dusche und Waschmaschine und Essen und Bett.

17.10.

Ich bin wirklich noch nie in meinem Leben, als Fremder, so herzlich aufgenommen worden. Ich habe mich als Teil dieser juedischen Familie gefuehlt und habe alles moegliche bekommen – sogar ein Jausenpaket fuer unterwegs. Tel Aviv hat nichts mit einer juedisch konservativen Stadt zu tun. Eher eine sekulare Partystadt. Mein Kopfweh als Bestaetigung. Bin heute die paar km nach Jerusalem  geradelt. Leider hat mich die Polizei von der wunderschoenen Autobahn heruntergeholt und ich musste mich wieder durch gefaehrliche Nebenstrassen kaempfen. Fahrzeuge sind in Old-Jerusalem nicht erlaubt. Gott sei Dank ist ein Rad anscheinend kein Fahrzeug. Ich uebernachte am Dach eines Hostels mit Blick ueber die ganze Altstadt. Wahnsinn.

19.10.

Ich habe zwei heilige Tage hinter mir. Auch wenn mir seit dem, Menschen immer wieder sagen ich sei geseligt, fuehl ich mich nicht heilig. Ich glaub die wollen mir nur etwas verkaufen. Oder sieht man den heiligen Schein im Spiegel nicht?

Jerusalem war faszinierend aber auch etwas abstrakt: Original Kreuzweg-Jesus Kreuzigungsstelle- da Kuessen sie wieder irgendwas von Jesus (manchmal wirds einem einfach schon zu bloed um das alles genau zu hinterfragen)- Grundstein der Erde – Mohamed-in-den-Himmel-Aufstieg-Stelle – Klagemauer- Marias Wohnung – Juden mit Riesenpelzhueten-Freimauererhoehle (weil sie glauben dass Salomon der erste Freimaurer war-mhmh) usw. Anstatt glaeubig zu werden fragt man sich eher: Wenn ihr so fanatisch glaubt, und die im Viertel daneben auch, nur an etwas Anderes, und die im naechsten Viertel wieder an etwas Anderes – hinterfragt ihr euch da nie?

Hatte eine etwas unruhige Nacht… Die Frau, auf der Matratze neben mir, hat mir erklaert , sie sei eine grosse Suenderin. Sie habe schon einen Menschen umgebracht… Bin heute zum tiefsten Punkt der Welt geradelt: Ans Tote Meer 420 Meter unter  Meeresspiegel. Von da an gehts leider wirklich nur mehr bergauf. Bei einem Abstecher nach Jericho wollte ich mir Essen einkaufen. Bei der Einfahrt gabs, wieder mal, eine Militaerkontrolle – nur diesmal auf arabisch: Der Soldat heisst mich herzlich in Palaestina willkommen. Drei Stunden spaeter verlass ich die Stadt wieder:  Satt und vollgepackt mit Essen,  frischen Gepaeck und um keinen Groschen leichter. Die palaestinensische Gastfreundlichkeit ist unglaublich. Die Lebensmittel konnte ich nicht einmal verbrauchen, da ich am Abend von Israelis zum grillen eingeladen wurde. Die israelische Gastfreundlichkeit ist unglaublich.

War im toten meer schwimmen und konnte nicht untergehen – vielleicht bin ich doch heilig. Ich gewoehne mich langsam daran, dass auch am Strand alle paar Meter ein Soldat mit MG steht…

20.10.

Seit gestern befinde ich mich in der Wueste. Mein Puchy macht leichte Probleme: wiedereinmal sind mir zwei Speichen gerissen- die hintere Bremse funktioniert nicht mehr – der Anhaenger ist in der Zwischenzeit mit Kabelbindern befestigt.

Ich moechte weiter nach Jordanien. Um drei Kilometer weiter nach Osten zu kommen, muss ich das Jordantal 100km rauf und dann wieder 100km runterradeln. Zuerst durchs palaestinansische Jericho und dann auf der Israeli kontrollierten Strasse durchs Westjordanland. Leider hab ich die Ausfahrt aus Palaestina nicht gefunden und habe dann, vorbei an grossen Panzersperren und ueber Sandwaelle, das “Land” ueber die gruene Grenze verlassen.  Kurz vor Beit-Shean gabs, wieder einmal, eine Militaerkontrolle: Ich musste diesmal mein ganzes Rad durch das Roentgengeraet schieben…

Jordanien

Kurz vor Sonnenuntergang komme ich zur Grenze nach Jordanien. Da man mir nicht zutraut, dass ich mit dem Rad die andere Seite finde, muss ich eine Stunde auf einen Bus warten. Der faehrt mich dann ca 150m (!) zum jordanischen Grenzposten. Dort verbringe ich dann eine weitere Stunde auf dem Polizeirevier. Man will von mir einen genauen Plan: An welchem Tag uebernachte ich wo und in welchem Hotel. Leider hab ich keine Ahnung von Jordanien. Ich kenn ja kein einziges Hotel. Man erklaert mir, dass naechste sei 150km entfernt und ob ich das heute mit dem Rad noch schaffe? Genau! Kurz bevor mir die Einreise verweigert wird kommt der Oberboss. Er lacht seine Untergebenen aus und erklaert mir, dass es ihm doch egal sei was ich in Jordanien mache. Nach einer gruendlichen halbstuendigen Untersuchung meines Gepaecks darf ich endlich jordanischen Boden betreten.

Es ist mittlerweile stockdunkel. Die Stimmung ist agressiv. Alle Kinder und Jugendlichen schreien mich an. Als mir dann ca. 20 Menschen hinterherlaufen drehe ich um und fahre direkt auf sie zu. Irgendetwas zischt ein paar Zentimeter neben meinem Kopf vorbei, gefolgt von einem Knall auf der Strasse. Ein Geraeusch dass mir in den naechsten Tagen noch sehr vertraut wird: Jemand hat einen Stein nach mir geworfen. Beim Geldabheben schauen mir schon 40 Menschen genau auf die Finger – langsam wirds mir mulmig. Fuenf Minuten spaeter werde ich auf Tee und Wasserpfeife eingeladen.  Ich versteh das Land nicht. Als ich ein halbe Stunde darauf ein Hotel finde (150km in einer halben Stunde – da hab ich ja anscheinend mal Gas gegeben), verbringe ich die teuerste Nacht meiner Reise. Es ist mir egal – Hauptsache sich einmal sicher fuehlen.

21.10.

Die Strassen sind verstopft mit Militaers. Auf den ersten Kilometern werde ich von einem Jugendlichen angespuckt. Ich drehe mich um und zeige ihm den mittleren Finger. Instinkltiv buecke ich mich nach vorn. Der Stein segelt ueber meinen Kopf hinweg.

Nach ca 100km bin ich wieder in der Naehe des Toten Meers. Von dort klettere ich aus dem Tal auf den Berg Nebu. Wieder mal was heiliges: Von dort sah Moses das heilige Land und starb. Der Berg ist gerade mal etwas ueber 800 Meter hoch – aber er beginnt eben auf minus 400. Die schlimmste Steigung meiner gesamten Reise:  Fuer die 1200 Hoehenmeter , verteilt auf ganze 10km, brauche ich ueber drei Stunden.

Vollkommen erschoepft erreiche ich Madaba. Das erfreuliche: Ich treffe dort den australischen Radler aus Tel Aviv wieder und wir beschliessen gemeinsam Richtung Sueden zu radeln. Leider muss ich meinen Plan, irgendwie ueber Saudi Arabien in Richtung Indien zu kommen, aufgeben. Das letzte Saudi Visum fuer einen Radler gabs vor 4 Jahren – der musste ein halbes Jahr warten. Die zweite Moeglichkeit waere zum Islam zu konvertieren und eine Hadsch nach Mekka zu unternehemen. Aus Zeitgruenden gebe ich den Plan jedoch auf.

24.10.

Seit drei Tagen radeln wir nun zu zweit auf dem Kings Highway durch die Wueste. Ein Teil der Seidenstrasse und die angeblich aelteste durchgehend benutzte Strasse der Welt. Wir befinden uns auf einer Hochebene auf etwas ueber tausend Meter. Diese wird immer wieder unterbrochen von tiefen Canyons. Die Abfahrten stellen ein suendiges Vergnuegen dar. Man weiss, dass man jeden Meter bergab, auf der anderen Seite wieder bergauf klettern muss.  Belohnt werden wir allerdings mit wunderschoenen Plaetzen zum campen und selbstgekochtem Essen. Langsam haben wir eine Taktik gegen Steinewerfer entwickelt: Umdrehen und zu zweit auf sie zufahren. Das endet dann meistens damit, dass sie davon laufen und  dann flehen: ”sorry mister. I am so sorry” …Zur Rehabilitierung der Jordanier: Auch wenn man angespuckt wird bekommt man oft ein paar Minuten spaeter einen Tee oder Kuchen geschenkt. Ich versteh das Land noch immer nicht.

Heute beginnt das Unternehmen Petra! Petra ist eines der neuen Weltwunder, kostet allerdings auch 50 Euro Eintritt. Das Gebiet ist jedoch riesengross und unmoeglich zu kontrollieren. Der Plan: Einschleichen, Schlafsack mitnehmen und mitten in der Ruinenstadt uebernachten.

Nach laengeren Diskussionen mit einem ehemaligen Guide muessen wir den ersten Teil des Plans schon aufgeben. Er zeigt uns zwar auf einer Karte die besten Einschleichstellen, allerdings werden die Tickets ueberall am Gelaende kontrolliert. Mit hohen Strafen. Auch die Rucksaecke werden kontrolliert. Alles was auf Uebernachten hindeutet, wie ein Schlafsack, muss am Eingang zurueckbleiben…

Aber so schnell darf man ja nicht aufgeben!

26.10.

Wir sind in Petra! Wir haben den Eintritt gezahlt und zwei kleine Rucksaecke mit Schlafsaecken, Gaskocher und ein paar Lebensmittel mitgenommen. Die Hoffnung, dass ein sehr kleiner Rucksack nicht kontrolliert wird ist aufgegangen. Kurz vor Sonnenuntergang haben wir uns dann in ein paar Felsspalten gegenueber dem “high place of sacrifice” versteckt. Nach einer Stunde waren wir sicher, das wohl kein Waerter mehr auf den Berg klettern will – sie wurden etwas stutzig als wir uns beim Restaurant rohe Zwiebeln gekauft haben…Nach dem schlechtesten Essen, dass ich je gekocht habe gabs dann die kaelteste und haerteste Nacht  (auf einer Steinplatte) der Reise. ABER wir waren inmitten von ueber 2000 Jahre alten Ruinen!

27.10.

Ich werde den Sonnenaufgang nie vergessen! Tagsueber wurde dann viermal unser Ticket kontrolliert. Ob wir hier uebernachtet haetten? Dafuer gebe es nämlich hohe Strafen und es sei vor allem wegen der zahlrichen giftigen Schlangen und Skorpione verboten…

29.10.

Ich habe die letzten einenhalb Tage in einem 3 Quadratmeter grossen Zimmer verbracht. Oder besser gesagt auf der, einen halben Quadratmeter grossen, Toilette. Die Verdauung versagt. Nie wieder Bohnen! Nie wieder Falafel! Nie wieder Humus!

Gestaerkt mit einem Joghurt mach ich mich auf die 100km lange Strecke nach Wadi Rum. Dort treffe ich mich wieder mit Jessy aus Australien. Vor allem die ersten 80km erlebe ich eher in Trance. Man soll von den Antiotikern fuenf Stueck nehmen. Leider hab ich nur zwei.

Irgendwie schleppe ich mich nach Wadi Rum – angeblich eine der schoensten Wuestennationalparks der Welt. Leider reissen Puchys Speichen schon wieder. Ich habe sie in Madaba neu einspeichen lassen – hat anscheinend keinen Sinn. In Wadi Rum ist keine Spur von Jessy und ich verbringe die Nacht mit einem Beduinen in der Wueste.

30.10.

In der Frueh steht der Jessy wieder da! Mein neuer Plan: Saudi Arabien geht nicht-Im Sueden ist der Sudan oder der Yemen – nicht gerade die besten Radlaender… ich gebe es auf am Landweg nach Indien zu kommen und buche einen Flug von Kairo nach Delhi. LEIDER ist der Nahe Osten im Jahr 2011 nicht wirklich durchquerbar…zumindest fuer mich…

Jetzt gehts  nach Aquaba und von dort mit dem Schiff weiter nach Aegypten. Drei Kilometer vor dem Hafen bricht meine Anhaengerkupplung endgueltig. Gleichzeitig bricht auch der Gepaeckstraeger. Schweren Herzens muss ich den Anhaenger an Ort und Stelle zuruecklassen. Unter schweren Verrenkungen radl ich weiter zum Hafen.

Die Schifffahrt haette in Griechenland wohl eine Stunde gedauert. Hier dauert sie 12. Inklusive drei Schlaegereien der aegyptischen Grenzbeamten. In eine war dann leider der Jessy verwickelt…was uns nicht gerade eine vorrangige Behandlung einbringt…

Aegypten

05.11.

Nachdem ich seit Griechenland nur drei radelfreie Tage hatte, geniese ich das Strandleben in Dahab. Keine Bohnen sondern German bakery und Burger! Meine Verdauung erholt sich! Leider nicht das Puchy. Aus Zeitgruenden (Flug) habe ich mittlerweile auch den Plan, ohne Gepaeck nach Kairo zu radeln, aufgegeben und setze mich in einen Bus L.

ABER: 4195km hats mich getragen. Wir haben 10 Laender durchquert und 3 Monate gemeinsam verbracht. Deshalb hat sich mein Puchy zwei Sachen verdient: Wir radeln in Kairo gemeinsam herum und ich zeige dem Puchy die Pyramiden und danach verpack ichs in eine Kiste und schicks nach Oesterreich. Das kostet zwar mehr als das Radl  wert ist – aber das ist ja Materielwert. pah

23.11.

Eigentlich darf ich ja nicht mehr auf einer Radlseite schreiben wenn ich nicht einmal mehr mit dem selbigen fahr…

Ein paar Anmerkungen muss ich aber schon machen: Seit 09.11. bin ich in Indien. War in Kaschmir Himalaya wandern. Hab ca 5kg zugenommen (vielleicht sollt ich mir a Rikscha kaufen…mit Fahrer..). Meine Durchschnittsgeschwindigkeit hat sich eigentlich kaum erhoeht. Habe fuer 400km drei Tage gebraucht. (vielleicht sollt ich mir a Rikscha kaufen und mal Gas geben)

Und ein paar Kilometer entfernt hab ich schon die naechste Traumradstrecke entdeckt. Von Manali nach Leh auf der zweithoechsten Passstrasse der Welt auf ueber 5000 Meter. Vielleicht naechstes Jahr. …

Eventually to be continued…