Race Around Slovenia

Sevi beim Race Around Slovenia 2012

54:57 h brauchte ich letztes Jahr bei meiner ersten Teilnahme beim „Race Around Slovenia“. Etwas schneller sollte es dieses Jahr schon gehen, 50 Stunden, wenn alles gut läuft, wobei da ja auch noch die verlängerte Strecke ist. Seis drum, neues Renne, neues Glück. Am Besten nicht zu viel nachdenken.

Wesentlich besser organisiert als im Vorjahr bin ich dann am Mittwoch dem 9.5. mit meinem halben Team (Teamchef Sic + Christian) angereist. Vorsichtshalber den Mittwoch auch schon freigenommen, dass es nicht so ein Stress wie letztes Jahr wird. Aber man lernt ja. So war auch das Hotel bis Donnerstag Abend gebucht um mir noch ein paar ruhige Stunden vor dem Rennen verschaffen zu können.

Am Vorabend das Gala Dinner mit Startnummernvergabe. Sehen und gesehen werden, viel zu laute Musik, kleine Portionen am Teller (nur die Cremeschnitten hattens in sich), deshalb nachher noch zu David in die Pizzeria um den Hauptgang zu holen. Noch ein Bier zum schlafen und ab ins Bett.

In der Früh nochmals kurz einrollen, Auto checken, technische Abnahme, Mittagesse, Bier und wieder ab ins Bett. Nach 3 mehr oder weniger erholsamen Stunden war dann auch mein restliches Team (Philipp und Eskimo) da. Es läuft alles nach Plan, ich bin wesentlich entspannter als im Vorjahr. Vor dem Start zeigt der Pulsmesser nicht mal 100 Schläge – im Vorjahr warens da schon rund 170. Es fühlt sich angenehm an. Die Taktik? Die Pausen minimieren, zumindest halbieren. Dann hätte ich schon fast 5 Stunden eingespart. Aber kann ich dann das Tempo halten oder gar zulegen? Und was, wenn die Knieschmerzen wieder kommen?

Der Start in die erste Nacht. So viele Menschen, die perfekte Kulisse für so eine Veranstaltung. Alles läuft super. Ich gebe dosiert Gas. Wo ist der ideale Schnittpunkt von Tempo und Ausdauer? Bin ich zu schnell wenn ich gleich 3 Konkurrenten überhole? Bin ich einfach gut drauf? Ich fahre mein Rennen. 1. Timestation (TS), Meer. David kommt von hinten und überholt mich. Ich halte ihn in Blickdistanz. Wenn ich eine Zeit lang dranbleibe ist das ein guter Zwischenstand für mich, aber die Berge kommen ja erst. Nach der 2. TS eine kurze Pinkelpause. Simon Ruff überholt mich. Hat auch eine Zeit lang gedauert, der hätte doch schon viel früher an mir vorbei sollen. Mein Plan funktioniert nicht.

Der erste Berg, in die Morgendämmerung hinein. Bizarre Gesteinsformen. Es macht Spaß. Hinten wieder runter und ins Soca-Tal. Links neben der Strecke steht David neben seinem Pace-Car. Ich hatte nicht damit gerechnet ihn nochmals zu sehen. Nachdem er mich wieder überholt hat muss er leider aufgeben. Was war da nur los? Ich hätte ihm einen Top-3 Platz vorhergesagt. Schade, er hats drauf. Weiter im Rennen.

Etappe 4: Der Vrsic-Pass. Ich freue mich darauf, diesmal ohne Knieschmerzen zu fahren. Die Zeitnehmung beginnt wesentlich früher als erwartet, die Pause muss auf den Pass verschoben werden. Zügig auf den Berg, vorbei an meinen letztjährigen Raststätten. Oben angekommen die erste richtige Pause. Nach ein paar Minuten geht’s wieder weiter. Diesmal sind ja auch alle Bremsseile ok. Motiviert bergab, in Kranjska Gora beginnt dann aber der Gegenwind. Entspannt weiterfahren. Aus der erhofften Erholung wird nix. Entspannt bleiben und auf die nächsten Berge konzentrieren. Laut Team bin ich toll dabei. Top-20. Sieht ja gut aus. Mit der Ernährung läufts super, Ensure + Power Bar, keine Lust auf Riegeln oder sonstiges festes. Auch die Navigation ist dank Propers Funkgerät wesentlich leichter zu bewerkstelligen. Viele Hügeln auf der 5. Etappe, kurze Unsicherheit bei der Wegfindung. Ich sitze in der Wiese, die Minuten verrinnen. Ich will keine Pause machen. Da kommt mein Pace-Car wieder. Sie wissen wos langgeht. Der letzte Pass mit über 1000 Metern. Dann nur noch runter. Möglichst flott nach Dravograd, ich will das Drautal ja noch bei Tageslicht fahren. Ich checke kurz mit dem Team ab, ob Jörg schon informiert ist, dass er früher als erwartet an der Fanbase sein muss. Alles vereinbart. Ich kann mich verlassen. Im Drautal sehe ich wieder Konkurrenten. Mitja Rok ist schnell überholt. Simon Ruff hält sich nach TS6 bei mir an – bis zur Fanbase. 15min Pause. Quno hat mir wirklich Nudeln in der Thermosflasche mitgebracht. Kurze Massage, Klogang und weiter geht’s. Die 2. Nacht hat begonnen, ich bin gut motiviert. Bald habe ich wieder aufgeschlossen auf Simon Ruff und auch Edi Fuchs ist dabei. Mit Simon werde ich die nächsten 12 Stunden auf Blickdistanz fahren. Er fragt nach Thomas Ratschob. Bin ich wirklich schon so weit vorne? Irgendwo zwischen Platz 4 und 7 sagt mir mein Team. Werde ich das Tempo halten können? Das Rennen ist noch lange. Bei TS 7-9 kommen wir mit super Zeiten durch. Noch möglichst viel Weg machen bevor der Regen kommt ist die Devise. Schlafen nur dann wenns sein muss, wenns regnet kann ich dann noch immer entspannt Pause machen. Ein bisschen Koffein kann ich mir in der 2. Nacht schon gönnen, hab ja wirklich schon lange nicht mehr geschlafen.

Am Vormittag kommt dann ein kurzer Einbruch, am Hügel fehlt einen Augenblick der Fokus, Simon geht wieder vorbei an mir, diesmal sehe ich ihn aber auch nach der Kuppe nicht mehr. War ja auch Zeit, er sollte ja sowieso schon weit vor mir sein. Edi Fuchs ist inzwischen schon lange nach hinten gefallen.

Statt Regen hat es gefühlte 40 Grad in der Mittagshitze am Berg. Edi Fuchs geht am Berg wieder vorbei an mir. Dranbleiben meint Sic, ich versuchs, es geht fast nix mehr. Was mach ich da eigentlich. Warum trete ich? Ich stehe still und die Landschaft zieht vorbei. Welchen Plan verfolgen wir nochmals schnell? Meine Strecke geht doch wo anders lang! Was will mir der Herr am Fahrrad sagen, ich trete zu langsam? Aber ich trete noch. Pause, nur kurz, aber das hilft, scheiß Hügel, langsam werd ich ein wenig verrückt. So ähnlich muss es sich anfühlen, wenn man psychotisch ist. Ha, und das alles ohne Mephedron. Aber weit ist es ja nicht mehr ins Ziel. Und den Thomas Ratschob hab ich auch schon überholt, der hatte wohl Probleme.

Bei dem schlechten Asphalt auf den letzten 100km freu ich mich über das neue Rad. Das Tempo kann ich trotzdem nicht mehr ganz halten, noch dazu sind alle Ampeln (so viele Baustellen…) rot. Soll ich das Rad in den Graben hauen und weinen oder doch weiterfahren? So viele SMS und Gästebucheinträge in meinem Blog. Ich bin nicht so alleine wie ich mich fühle, laufend kommen Motivationen von meinen FreundInnen vor dem Internet. Sie beobachten mich digital, ich kann nicht langsam fahren bei so vielen ZuschauerInnen. Der letzte Stieg zu TS11, Edi Fuchs ist wieder in Sichtweite, gut, er ist ja schon 12 Minuten vor mir gestartet. Hat er seine Zeitstrafe schon abgesessen? Duelliere ich mich wirklich mit ihm um den 4. Rang? Ein Referee geleitet einen Teil der letzten Etappe auf einem Buggy, dann geht’s nochmals auf den Berg, der letzte Stieg zum Ziel, oben werde ich dann für die letzten Kilometer von einem der Veranstalter am Rad begleitet. Ich kanns noch nicht wirklich glauben. Immer auf Druck bleiben, dass mich der Edi Fuchs nicht mehr abhängt.

Geschafft, 44:33 Stunden. Unglaublich. 4. Platz. Die Trainingspläne vom Straps haben sich ausgezahlt. Das Denken fällt nach wie vor ein wenig schwer. Überglücklich und befreit. Da werden wir uns wohl noch ein Hotel nehmen für heute Nacht . Auf das Bier nach dem Rennen muss ich wohl verzichten, auf den Kreislauf aufpassen, und der Rücke, langsam ausziehen im Hotelzimmer, duschen und ins Bett.

Nach 3 Stunden Schlaf weckt mich Sic wieder auf. Was redet er von Fotobearbeitung? Wo sind wir? Warum sind wir hier? Ach ja, Radfahren. Jetzt geht’s aber wirklich auf zum Bier!

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