Lukas beim Race around Austria

Das Race around Austria war heuer mein absolutes Saisonhighlight. Dementsprechend groß war auch die Aufregung in den Wochen davor.
Zum ersten Mal war die Strecke so lang, dass ich mir diese unmöglich merken hätte können. Daher teilte ich die Strecke in 250-Kilometer-Etappen, um zumindest ein wenig Vorstellung davon zu bekommen, was mich erwartet.
Montag 12.00 startete ich aus Graz nach Sankt Georgen.
Erwartet stressig verlief dann auch der restliche Montag, sowie der Dienstagvormittag. Den Nachmittag nutzte ich, um ein wenig zu schlafen und noch einmal mit meinem Bruder zu telefonieren, um mir seine Weisheiten und messerscharfen Analysen („Österreich ist gar nicht so groß.“ „Was, wieso fahrst bitte mitm Radl?“) anzuhören.

Beim Start um 20.30 war ich aufgeregt wie immer. Das legte sich allerdings nachdem ich die Startrampe verlassen hatte. Ich konzentrierte mich von da an auf meine Wattwerte und die Trittfrequenz.
Meine Konkurrenten starteten mit relativ gleich hohem Tempo, wobei ich mich bis ins Burgenland mit Ralph Diseviscourt und Markus Hager von den restlichen Startern absetzten konnte.
Die ersten 1.000 Kilometer verliefen sehr gut. Große Tiefs konnten vermieden werden und ich duellierte mich meist mit einem der Beiden.
Nach knapp 33 Stunden war in der Südsteiermark die erste Schlafpause geplant. Nachdem alles reibungslos funktionierte, wurde ich nach 45 Minuten geweckt und fuhr über die Weinberge Richtung Soboth.
Ich fühlte mich richtig gut. Auf der Soboth gabs Besuch von Freund/innen, was mich unglaublich freute.
Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass in Lavamünd das Rennen eine Wendung nehmen würde. Schon bei der Abfahrt von der Soboth war ich unkonzentriert und beim Umstieg aufs Zeitfahrrad hatte ich das Gefühl, dass es mir nicht mehr passen würde. Ich begann mit dem Team zu diskutieren und beschwerte mich.
Es dauerte bis zum Beginn des Lesachtal, bis ich mich wieder halbwegs wohl am Rad fühlte, wobei ab dem Zeitpunkt Regen einsetzte und somit ein weiterer Störfaktor vor allem bei den Abfahrten behinderte.
Als besonders schwierig habe ich den Abschnitt von Landeck bis zurück ins Inntal in Erinnerung.
Bei der Anfahrt Richtung Silvretta war mein Tritt relativ schwerfällig. Ich ließ mir immer wieder Ausreden einfallen, um kurz stehen zu bleiben.
Ab Mitte der Auffahrt setzte Regen ein, der bis zum Faschina Joch nicht mehr aufhören sollte. Ich kommunizierte relativ wenig mit meinem Team, was dazu führte, dass ich mich aufgrund der Übermüdung einsam fühlte.
Die Abfahrt vom Silvretta gehört eigentlich zum Schönsten, was das Raa, bzw. der Alpenraum zu bieten hat. Ich hatte das noch aus dem letzten Jahr in sehr guter Erinnerung. 32 Kehren hinunter und danach immer leicht abfallend bis nach Bludenz. Eigentlich fährt man hier ohne großen Aufwand ein hohes Tempo.
Hinunter bremste ich die ganze Zeit, wodurch meine Arme stark beansprucht wurden. Im Ebenen fühlte ich mich irgendwie hilflos und ich rollte recht lasch dahin. Es schüttete wie aus Eimern. Irgendwann überholte mich der Luxemburger Marc Leyder. Er reduzierte das Tempo, unterhielt sich kurz mit mir, gab mir einen Klopfer auf meine Schulter und fuhr weiter. Von da an versuchte ich mich wieder zusammen zu reißen, wobei es bis nach dem Hochtannberpass dauerte, dass ich wieder halbwegs in Rennen gefunden habe.
24 Stunden später konnte ich dann mein erstes Raa am dritten Platz beenden.

Unterm Strich kann ich mit meiner Erstteilnahme großteils zufrieden sein, wobei vor allem das erste Drittel gut gelungen ist. Der Schlafenzug war härter als gedacht und hat dieses Mal wohl am meisten Probleme bereitet.

Recht herzlichen Dank an RadAktiv Graz fürs Orbea Orca, auf dem ich viel mehr Zeit verbracht habe als ursprünglich geplant. Es ist einfach so super!