David siegt in Melfar (DK)

Der Start beim 24h-Rennen Melfar (DK) war eine kurzfristige Entscheidung, die sich im Nachhinein allerdings mehr als ausgezahlt hat! Mit neuem Streckenrekord (802,7km ohne Windschatten) konnte ich mir sowohl den Solo-Sieg als auch die RAAM-Quali sichern, knapp drei Wochen nach dem unglücklichen Rennabbruch in Slowenien hat sich die Trainingsform also endlich in einem guten Ergebnis niedergeschlagen.

Die Fahrt nach Dänemark ist eine recht mühsame Geschichte, 1400km von Graz nach Middelfart, wobei laut Google Maps insgesamt 18(!!!!) Lenkmanöver nötig sind. Nach der Ankunft haben wir uns zuerst gefragt, ob wir wirklich im „hohen Norden“ sind, 30° und strahlender Sonnenschein ließen eher Italien-Feeling aufkommen! Nachdem wir uns ein Zimmer in einem bed&breakfast gesichert hatten, wollte ich das schöne Wetter noch für eine kurze Ausfahrt nutzen, also Radl zusammengeschraubt, Sattelklemmung festgezogen und zack – Klemmschraube abgerissen. Nachdem handelsübliche Schraubverbindungen natürlich nicht für die Verwendung im Fahrradbau eingesetzt werden können, war eine „Pfusch-Lösung“ auf die Schnelle nicht möglich, dementsprechend natürlich die Stimmung auch leicht angespannt. Am nächsten Tag konnte mir dann ein Bike Shop mit einer verlängerten Bremsen-Montage-Schraube(???) aushelfen und ich konnte doch noch einen Teil der Strecke besichtigen. Auf dem Papier wirkt diese völlig harmlos, 420HM auf 58km und kein langer Anstieg versprechen ein Vorankommen mit knapp unter Lichtgeschwindigkeit. Man sollte aber die welligen dänischen Landstraßen nicht unterschätzen, auf den ersten 40km war kein einziger gerader Meter zu finden, außerdem liegt Middelfart, der Start/Ziel-Ort, direkt am Meer und damit weht einem ständig ein mehr oder weniger angenehmes Lüftchen um die Nase. Trotzdem versprach die erste Testfahrt auf dem Kurs ein schnelles Rennen, vor allem nachdem sowohl ein Drafting (mit Windschatten) als auch ein Non-Drafting Bewerb (in dem Ich gestartet bin) ausgetragen wurden und insgesamt knapp 300 Starter gemeldet waren.

Kurz vor dem Start stand ich auf einmal neben Bernd Paul, für mich einer der stärksten Langdistanzler, mit dem ich schon in Slowenien einige Zeit gemeinsam fahren konnte. Auch bei diesem Bewerb sollten wir wieder gut zusammenarbeiten, bis Stunde 18 waren wir nie weiter als 5min auseinander. Gleich nach dem Start begann das Rennen so richtig, ein paar dänische Fahrer wollten anscheinend in der ersten Runde den Streckenrekord und setzten sich am ersten kurzen Anstieg von Bernd und mir ab. Allerdings verriet ein Blick aufs Material der Kollegen (Triathlon-Radl mit 80mm-Hochprofil-VR und Scheibenhinterrad, usw.), dass diese wahrscheinlich nicht wirklich zu den erfahrenen 24h-Fahrern gezählt werden konnten. Bernd und ich versuchten die erste Stunde schnell aber doch dosiert zu fahren, die Führungsarbeit wurde fair geteilt, trotz 30-50m Abstand (Non-Drafting) spielt der psychologische Windschatten ja auch eine nicht zu unterschätzende Rolle. Nach knapp 2h hatten wir die meisten der 15min vor uns gestarteten Drafting-Fahrer eingeholt und beide einen Rattenschwanz von Leuten hinter uns, alles zwar ganz legal aber mühsam, weil viele dänische Kollegen einen doch sehr nervösen Fahrstil an den Tag legten und gleich die erste Verpflegung vom Wegrand beinahe mit einer Kollision von hinten geendet hätte. Im Rennverlauf wurde aber alles immer besser, die Dänen müder und das Packl hinter mir immer kleiner, nach ein paar Stunden war ich dann auch an der Spitze des Drafting-Rennens.

Um das Ganze abzukürzen, bis zum Sonnenuntergang waren Bernd und ich immer gleichauf, irgendwie gelang es mir dann ein kleines Loch aufzureißen, auf der nächtlichen Wendepunktstrecke wurde dann weiter um jeden Meter gekämpft, in der Früh wurde der Abstand aber langsam größer und ich hinsichtlich erstem Sieg immer zuversichtlicher. Die letzten Stunden waren nochmal so richtig hart, außerdem wurde die magische 800er-Marke auf einmal ein Thema. Mit 802,7km ging sich dann auch noch dieses Ziel aus, letztendlich konnte ich mich dann für mich überraschend auch noch relativ weit von Bernd absetzten. Dieser sicherte sich souverän den zweiten Platz (777,8km) vor dem Lokalmatador Anders Tesgaard (679km).

Nach der kurzen Siegerehrung wurde dann das Rennen nach dem Rennen gestartet, mit dem Team Bernd Paul lieferten wir uns ein packendes Duell auf den völlig verstopften deutschen Autobahnen, nach weiteren 20h ohne Schlaf waren wir endlich wieder in Graz und das Projekt Melfar 24 erfolgreich abgeschlossen. Jetzt ist der Hals hin und das Radl steht mal eine Woche in der Ecke, bis die Vorbereitung auf das nächste Rennen, den Schweizer Radmarathon (mit dem Proper als Betreuer!), beginnt!

David