3. Platz für David beim RAA

Im Gegensatz zu den heurigen Auslandseinsätzen wurde unser Mazda 323, mit dem wir schon beim DOS und in der Schweiz belächelt wurden, zu Hause gelassen und geschont. Diesmal hatten wir mit einem Neunsitzer der Sportunion (danke nochmal) endlich mal ordentlich Platz und konnten so nach dem schweißtreibenden Ausbau der hinteren Sitzbank relativ rasch die erste Challenge „Autotetris“ hinter uns bringen. In Schärding war dann Treffpunkt mit zwei anderen Crewmitgliedern, die uns halfen, den Bus mit wunderschönen RAA-Stickern ordentlich aufzuhübschen. Unsere sensationelle selbstgebastelte Dachkonstruktion, die David mit Zusatzscheinwerfern, Funk und der wahrscheinlich lautesten Musikanlage auf seiner Reise rund um Österreich begleiten sollte, wurde auch gleich montiert und damit der Tag vorm Rennen nicht zu langweilig wird, arbeiteten wir brav alle Programmpunkte ab: technische Abnahme von Fahrrädern und Auto, Pressekonferenz, Pre Race Meeting, Fahrervorstellung, Damenstart und Pasta Party. Abends im Zimmer angekommen stellte sich heraus, dass wir uns direkt im Hauptquartier von Edi Fuchs eingemietet hatten. Der war übrigens schon mit dem Frühstück am Renntag vor uns fertig – ob er uns damit eine unterschwellige Botschaft schicken wollte…?!
Am 12. August wars dann endlich so weit. Nachdem die meisten Starter schon unterwegs waren, durfte David sich um 12:54 auf den Weg von Schärding nach Schärding machen. Von einem running gag hat man halt am meisten, wenn man ihn so früh wie möglich startet und so wurde das Pace Car schon nach sagenhaften 20km außer Gefecht gesetzt indem die Lenkerin, die hier nicht namentlich genannt werden möchte, aufs Bankett auswich um unseren Radler überholen zu lassen. Leider versteckte sich unter dem dichten Gras eine Regenabflussrinne, sodass wir einen Traktor organisieren mussten um das Auto wieder auf die Straße zu bringen. Glücklicherweise überholte uns an der Unfallstelle gerade Edi Fuchs, deren Betreuer in der Zwischenzeit gut auf David aufpassten und dafür sorgten, dass er auf dem richtigen Weg blieb, aber nach einer kurzen Aufholjagd durchs oberösterreichische Hügelland hefteten wir uns wieder an Davids Fersen – bis wir ihn im Raum Gmünd während eines Tankstopps kurz verloren haben. In Niederösterreich mussten wir uns mit der nächsten Problematik konfrontieren: David hat das Ensure, mit dem wir ihn am Anfang versorgten, nicht vertragen und mit Magenproblemen zu kämpfen. So wurden kurzerhand zur Zwischenstation in Halbenrain 3 Kartons Fresubin bestellt um die Maschine am Laufen zu halten (dafür sorgten unterwegs aber auch Spaghetti Bolognese, Tortellini und Leberkässemmeln). Um auch die Betreuer bei Laune zu halten wurde das Pace Car kurz vor der Donaubrücke mit Frühstück und sackerlweise anderen Leckereien nachbeladen und im Nordburgenland mit einer zusätzlichen Betreuerin ausgestattet. Da auch so ein Neunsitzer nicht unendlich viel Platz bietet, waren wir dann froh, dass sich in Halbenrain gemeinsam mit unserem fünften Betreuer auch ein kleines Wohnmobil mit auf den Weg machte und wir uns und unser Gepäck aufteilen konnten. David radelte nach einer kurzen Verpflegungspause durch die südsteirische Weinstraße und über die Soboth nach Kärnten, womit er bereits das fünfte Bundesland an „einem“ Tag (also ohne schlafen) erreichte. Zum Glück hat er uns erst im Nachhinein verraten, dass er in Ferlach eigentlich noch gar nicht schlafen gehen wollte und so kamen auch wir Betreuer zu unseren ersten drei Stunden Schlaf.
Am nächsten Morgen wartete das Lesachtal auf uns, wo David im strahlenden Sonnenschein brav auf und ab radelte und die Crew mit einem Stromausfall im Pace Car zu kämpfen hatte. Aber auch dieses Problem wurde schnell behoben, der Tracker zeigte bald wieder der Welt, wo David mit seinem Rad unterwegs war und die Musikanlage beschallte wieder fröhlich halb Kärnten.
Nachdem David sich wegen der unerträglichen Hitze am Iselsberg und am Glockner Regen unbedingt Regen gewünscht hat, waren ab dem Gerlospass die Wassermassen für die nächsten eineinhalb Tage unsere Begleiter – durchs Inntal, übers Kühtai (40min Schlafpause), die Silvretta Hochalpenstraße, das Faschinajoch, den Hochtannbergpass und den Fernpass. Perfekte Bedingungen für den Westen eben. David ließ sich aber nicht wirklich beirren, trotzte dem Regen und kurbelte fleißig weiter – ständige Kleidungswechsel inklusive. Die forderten natürlich auch die Betreuer, die die nassen Kleidungsstücke über der Autolüftung wieder trocken föhnten (PS: macht besonders viel Spaß mit Radschuhen – v.a. wenn man die Fenster nicht runterdrehen kann, weil es so stark regnet!). Auf dem Rückweg durchs Inntal wurde nochmal eine Schlafpause eingelegt um dem Sitzfleisch wieder mal eine Pause zu gönnen. Damit hatte David zwar wieder dieselben Probleme wie in Slowenien, aber diesmal hatten wir eine Geheimwaffe mit an Bord: Betäubungssalbe!! Dagegen hat selbst der ungemütlichste Sattel keine Chance. In dieser Schlafpause entwickelte sich Tirol endgültig zu unserem Lieblingsbundesland: damit den Betreuern nicht langweilig wird, während ihr Schützling schläft, sorgten die Apotheken mit einer lustigen Schnitzeljagd durch ganz Innsbruck für Unterhaltung. Außerdem sind hier eindeutig die größten Fans des Race Around Austria zuhause, die die Radfahrer durch lautes Hupen und wilde Gesten zu Höchstleistungen anspornen.
Nachdem wir David endlich wieder aus seinem „Bett“ rausbekommen haben, sorgte Sonnenschein auf den letzten 400 Kilometern wieder für beste Laune. Erstaunlicherweise sah David auch am vierten Tag noch immer so aus, als wäre er gerade aufs Rad gestiegen – zumindest von hinten, die Augen erzählten eine andere Geschichte… Als Stärkung für den Dientener Sattel, den letzten größeren Anstieg, kehrten wir in Saalfelden noch beim Mäci ein und nach 3 Cheeseburgern und 9 Chicken Nuggets mit süßsaurer Sauce wurde der Berg locker bezwungen und der Zieleinfahrt stand nichts mehr im Weg. Dort wurde dann im Sekt geduscht, und mit Edi Fuchs, Geri Bauer und Trix Zgraggen gefeiert.
Das RAA war für uns alle eine große Herausforderung, die tolle Teamarbeit hat sich aber am Schluss ausgezahlt. Vielen Dank nochmal an alle, die uns mit Anfeuerungen etc. unterstützt haben!

Claudia