Skas Reisetagebuch

Skaos Trip Richtung Südosten

Der Plan!

Laut Plan gibt’s keinen Plan. Ich habe mir vorgenommen wieder mal eine Reise zu machen. Meine Grundidee war nach Indien zu fahren. Damits nicht so einfach wird, und ich auch was anderes seh, möchte ich die Strecke am Landweg überwinden. Dafür gibt’s jetzt allerdings so einige verschiedene Pläne:

-Keine genau Strecke festlegen

-Egal wie (bis auf fliegen)

-Den Versuch  wagen, meinen Schatten einzuholen (in der Früh lieg ich fast immer vorn)

-Ma muss net immer so schnell sein (der Straps hat ja gezeigt wie schnell ma 5000km radeln kann – ich zeig mal wie langsam das geht)

-Zumindest einen Teil mit dem Rad bewältigen (sonst wird mir ja gach no mei URC Mitgliedschaft entzogen)

-Irgendwann in Indien ankommen

Vor eineinhalb Jahren hab ich wegen Bandscheibenirgendwas Beinschmerzproblemen mit dem Radln aufhören müssen. Damit ich ja keine Probleme bekomme, hab ich auch tunlichst vermieden für die Radstrecke zu trainieren. Also ist der Radteil natürlich ein bisschen ein Unsicherheitsfaktor…

Mein Transportmittel

Olli

Puch Bergmeister, Special Edition Olympia 12, extended Version

Baujahr: geschätzt 1984 (gefällt mir, weils auch meins is…)

14 Gang Niotron Schaltung (schön langsam dämmert mir, warum moderne Räder mehr, oder zumindest leichtere, Gänge haben….)

Investition: 108 Euro (inklusive Ersatzteile)

Wert: Wahnsinnig hoch

Nachdem mir mein tolles Tourenrad gestohlen wurde, bekam ich dieses Sammlerstück als Geschenk (ein großer Dank an den Herrn Hierzer)

Extended Version:

Satteltaschen und der Fahrradanhänger mit der Bezeichnung „Fahrradanhänger“. Herstellerfirma gibt’s nicht. Auf e-bay als neues Produkt um 57 Euro ersteigert. (Ein Augenzwinkern an die bobjak Fahrer. O-Ton von zwei Deutschen: „Achso. Ich hätte Fahrradanhänger eingeben sollen…“)

Gesamtgewicht (Fahrrad, Anhänger, Gepäck): ca. 45kg (Ich schlepp ja auch Zelt, Ersatzteile, Kocher etc.)

Topspeed: 64 km/h

Durchschnittsgeschwindigkeit: je nach Laune, Wind und Gelände zwischen 6 (langsamer geht’s leider nicht…) und 27 km/h

Tagebuch

1.August

Mit dem Auto von Graz nach Puntera (nähe Pula) und mit den Mojitos (einer extrem guten Jazzband) ein kleines Konzert in privatem Rahmen gespielt.

2.August

Auftritt mit den Mojitos beim „5 minutes Jazzfestival“ in Bale.

4.August

ENDLICH! Ich starte mit dem Rad. Beim denkbar schlechtesten Platz! Mein Vater setzt mich bei der Stadteinfahrt nach Rijeka ab und ich mach meine ersten Meter auf meinem neuen, kaum getesteten Gefährt. Gleichgewicht halten ist schrecklich, ich werde von allen Seiten angehupt und muss gleichzeitig offenen Kanaldeckeln ausweichen. Bei der Stadtausfahrt kommt der nächste Schock: Ich bin immer brav der Beschilderung nach Krk gefolgt und befinde mich auf einmal auf der Autobahnauffahrt. Also wieder zurück in die Stadt. Nachdem ich ein paar Infos eingeholt habe stellt sich heraus: „Es gibt nur eine Straße nach Krk. Die Autobahn“. Ein Versuch ist es Wert. Nach 300m Autobahn taucht vor mir ein Tunnel auf….hilft ja nix: rein in den Höllenschlund.Es folgen 4km der Angst und des dauernden Hupens. Zu allem Überfluss kommt jetzt auch noch eine Abzweigung. Da ich mich nicht traue mitten im Tunnel die Spur zu kreuzen folge ich der Abzweigung und steh auf einmal in einem Einkaufszentrum!!!Von dort gibt’s dann aber doch eine normale Straße. Nach viel bergauf, bergab kämpfe ich mich bis zur Brücke nach Krk. Nach der Überquerung wartet ein Freund von mir. Ich bin 55km gefahren und total am Ende. Die letzten km lass ich mich mit dem Auto kutschieren und hab keine Ahnung wie ich jemals weiter kommen soll wenn das schon so anstrengend war…Ich gönne mir 2 Tage am Strand.

6.August

Ich treffe schweren Herzens die Entscheidung meinen halbakkustischen Bass wieder nach Graz zu schicken. 5Kg weniger auf einem Schlag hören sich einfach zu verlockend an. Mit der Fähre geht’s weiter nach Cres. ENDLICH! Wieder mit dem Rad. Die ersten km sind extrem hügelig. Also steuere ich den ersten Campingplatz an. 15Km geschafft und ich fühl mich total am Ende. Tod und krank. Wie soll ich nur jemals weiter kommen wenn das schon so anstrengend war…. Mein Körper braucht anscheinend doch ein bißchen um Kondition aufzubauen…Ich gönne mir 4 Tage am Strand.

11.August

ENDLICH! Ich habe mir vorgenommen wirklich los zu fahren.Auf einmal rollts dahin! Ich fahr 65km nach Mali Losinj (dann is die Insel aus). Bin ko, aber nicht total am Ende. Am Campingplatz such ich nach einer geeigneten Parzelle und trau meinen Augen nicht: Ein neongelber Rucksack. Das muss Veloblitz sein. Der Andre alias Firlefranz begrüßt mich dann mit den sehr überraschten Worten: „Ah, da bist du.“ Ja, eh kloar, dass ma sich da trifft…Hatten einen lustigen, bierigen Abend…

12.August

Verbringe entspannte 7h auf einer Fähre nach Zadar (die fährt dazwischen wirklich jeden Felsbrocken an…) Um 23:15 lande ich auf einem gespenstischen Industriehafen….Schnell weg da und auf Richtung Süden. Nachdem ich auf der Straße dem fünften Mordversuch eines wahnsinnigen LKWs entgangen bin, entscheide ich mich doch zum schlafen. Es ist schwer einen geeigneten Platz zu finden und so verschanze ich mich in der Uferböschung eines Villenviertels zu moskitogeplagten drei Stunden Schlaf.

13.August

Zwei Rennradler überholen mich.Das weckt natürlich meinen Ergeiz! 1 Stunde jag ich ihnen im Windschatten hinterher. Dann schwingen sie zur Pause ab. Unter ihren leicht gequälten Blicken fahr ich davon.Ein kleines Triumpfgefühl gibt noch einen Kilometer lang Auftrieb. Dann brauch ich ca. eine Stunde Schlaf um mich davon zu erholen…sie sind 5 min später locker vorbeigeradelt…. 104km – endlich geht’s bergauf.

14.August

Ich seh in Trogir eine große Yacht. Schaus mir genauer an. Drauf erspäh ich zuerst hübsche Blondinen denen ihr Gepäck nachgeschleppt wird. Schaus mir natürlich noch genauer an und entdecke Bernie Eccelstone, Sebastian Vettel, Hupert Marko…Paparazzifotosession!

15.August

Der Tag der toten Ente!

Möchte in Markaschaßka Geld abheben. Die Bankomatkarte ist verschwunden. Breite unter genauer Beobachtung von zig Touristen mein gesamtes Hab und Gut am Gehsteig aus. Nichts! Also zu Hause anrufen Konto sperren. Mist!

Verlasse den Unglücksort und bekomme Knieschmerzen. 30km später steig ich vom Rad. Nichts geht mehr! Kann kaum gehen…Stell mir zum ersten Mal die Sinnfrage.

16.August

Stell das Rad komplett anders ein. (Sattel nach vorn kippen, Lenker raus) Es geht besser. Die Schmerzen sind stark, aber nie so stark wie am Vortag. Ich schaffe es ein Land zu durchqueren (Bosnien) und dabei nur einmal den Boden zu berühren.8 Stunden für 80km. Der Zenzustand: Jeder Meter ist ein Meter.

17.August

Dubrovnik is schön. Nur ich sehs net. Kann mei Rad net parken ohne das Gefühl, dass es gleich weg ist. Der Campingplatz kostet 30 Euro pro Nacht. Nix für mei Budget.

Die ganze Küste seit Zadar ist traumhaft. Nur  wer glaubt am Meer is schön flach, der täuscht.Immer bergauf, bergab, bergauf…..

19.August

Fahr mit vier Schladminger Mountainbikern über die Grenze nach Montenegro. Der Grenzbeamte bespritzt mich spaßeshalber mit Wasser und lacht über meinen Anhänger. Irgendwie werd ich an Grenzen nicht so für voll genommen…

Montenegro ist das Land der Hupe: Hupe wenn du überholst, hupe wenn du jemanden grüßt, hupe wenn du Radfahrer magst, hupe wenn du Radfahrer hasst, hupe wenn du stehenbleibst etc. Allerdings ist dieses ausgeklügelte Regelwerk noch nicht hundertprozentig ausgegoren: Ich komme an nur einem Tag an drei Unfällen vorbei.

20.-25.August

ALBANIEN ist anders.

25.August

Griechenland!

NEIN! Ein paar Worte muss man schon über Albanien verlieren!

-Fahr den ersten Kilometer in Albanien zu den Rufen des Muezzins – fühlt sich an wie eine andere Radwelt.

-3km in Albanien. Mir kommt ein Grazer Kennzeichen entgegen. Ich brems – er bremst- und da Saxo (Grazer Bote) steigt aus!!!!

-Lern am ersten Tag jemanden vom dt. Geheimdienst kennen. In seinem Gefolge ein Besitzer mehrerer Hotels – campe dann im kleinen Park vor drei Luxushotels. Als ich mich der zuerst verdutzten Rezeptionistin erkläre meint sie nur „Marco is the Boss. If Marco says…you can do whatever you want!“ Daraufhin feiern, singen und tanzen 500 Albaner rund um meine Schlafstätte. Grund war natürlich nicht ich, sondern der Auftritt eines albanischen Stars – vor meinem Zelt.

-Ich radle im angeblichen Land der Berge 300km durch ebenste Ebenen.

-Ich verbringe ca. 180km auf Autobahnen (die immer wieder durch durch schlimmste Schotterpisten, Schlaglöcher, offene Kanäle, 25cm herausstehende Kanaldeckel…..unterbrochen werden)

– Fahre meine bislang längste Etappe mit 140km.

-Um meiner Botenehre gerecht zu werden fahre ich ins Botenparadies oder die Botenhölle (je nach Auffassung): Tirana. Chaos pur. Keiner hält sich an irgendwelche Regeln. Niemand bleibt bei rot stehen. Keinen Polizisten kümmerts.

-Ich fahr 30km gemeinsam mit Altin Sufa. Wie sich herausstellt der Kapitän der albanischen Radnationalteams. (jetzt besteht also die Möglichkeit, dass bei der nächsten Fahrwoche eine albanische Konkurrenz antritt….)

-Nach den Ebenen kommen dann aber richtige Berge!!!Ich hab bald gemerkt, dass Altins diabolisches Lachen zu meiner Route nicht so ganz unberechtigt war. Von 0m auf über 1000m innerhalb von 7km is mit am 45 kilo Radl doch a weng anstrengend….dass ging dann 100km lang so dahin….brrrrr

-Von angeblichen drei Campingplätzen in ganz Albanien hab ich nur einen gefunden….Dafür hatte ich auf der Fähre nach Korfu keine Probleme einen Bereich für mich allein zu haben.

-Hab sämtliche Schmerzen weggeradelt. Keine Knieprobleme mehr. Keine Bandscheibenprobleme. Keine Beinschmerzen (DANKE MADLEN)

25.August

Korfu! Endlich wieder Süßwasserduschen! Falsch gedacht. Auch auf Korfu gibt’s,zumindest auf meiner Route, keine Campingplätze. Dafür wunderschöne einsame Sandstrände. Weiter stinken.

26.August

Griechisches Festland. Ich muss mich mit WIIs Welt erst vertraut machen. Habe 12 Leute um eine Auskunft gefragt. 7 Mal war die Antwort falsch. Ich hoffe der Schnitt ändert sich.

28.August

Ich erreiche Lixouri auf Kefalonia!

Ein paar Freunde von mir verbringen hier ihren Urlaub und ich schließe mich ihnen an. Radlpause!

Der Tacho zeigt 1526 gefahrene Kilometer! Kein Defekt. Kein Patschen! Warten auf eine neue Bankomatkarte. Ich habe mein persönliches Minimalziel, mit dem Rad ans schwarze Meer oder nach Griechenland, erreicht. Allerdings möchte ich jetzt nicht aufhören. Indien ruft.

Der momentane Plan sieht so aus: Nach Patras und über Olympia nach Athen. Dort muss ich mal ein paar Visa Sachen klären (wenns für den Iran zur Zeit wirklich nur Zehn Tage Visa gibt, wird’s mit dem Rad ein bisschen stressig…) und dann über die Inseln in die Türkei hupfen. Allerdings wird das nicht so einfach, da die Griechen ihren Schiffsverkehr in die Türkei angeblich eingestellt haben…Im Notfall kann ich nur im Norden am Landweg weiter, oder muss in den Süden über Zypern ausweichen….

to be continued…