Skas Trip Teil 2

Vom Westen zurueck in den Osten, wieder in den Westen und weiter in den naeheren Osten

Das letzte mal war ich in Kefalonia/Griechenland. Fuer alle, denen folgendes viel zu langwierig ist, um es zu lesen, gibts hier die Kurzversion: 1 Monat Griechenland – Tuerkei – Zypern- Israel.
Moment: Wollt ich nicht noch in diesem Leben in Indien ankommen?Warum troedel ich dann ein Monat in Griechenland herum!?Und dann geb ich auf einmal Gas, als gebe es kein Morgen? Das Bedarf doch einiger Erklaerung. Ganz von vorn:

Kefalonia

Auf der schoenen Insel hab ich mich einmal richtig von den ersten Strapazen ausgeruht und zwei Wochen Urlaub gemacht. Mit allem was dazu gehoert: Gute Freunde, Strand, Kreuzwortraetsel, Besichtigung archaeoligischer Graeber, Staedte, Burgen, Hoehlen, Museen, Bier und Vodka. Urlaub eben. Leider hat die Erhohlung meinem Rad und mir doch nicht soo gut getan. Beim Bremseneinstellen ist erst einmal das Bremsseil gerissen. Ich hab mich am letzten Tag verkuehlt und wach am Morgen der Abfahrt leicht fiebrig auf. Es ist sechs in der Frueh, meine Leute steigen in den Bus und sind fort. Als ich losfahren will schleift die Bremse. Nach einigem basteln bekomm ichs so halbwegs hin. Nach 3km beginnt die Anhaengekupplung Probleme zu machen. Wieder basteln. Nach 10km muss ich mir eingestehen, dass es gesundheitlich einfach keinen Sinn macht weiter zu fahren. Ich such mir einen Campingplatz. Neben meinen Freunden haben an diesem 9. September scheinbar auch alle Touristen Griechenland verlassen. Ich liege krank auf einem Riesencampingplatz, auf dem ausser mir, noch drei Menschen sind: Trostlosigkeit pur.
Am naechsten Tag moechte ich die 9 Uhr Faehre nach Patras erwischen. 22km bis zum Hafen. Ich brech um 7:00 auf –sollte ja kein Problem sein. Doch dann kommt da dieser Berg…Ich geb also richtig Gas und klettere mit stolzen 8 km/h bergauf….Kurz vor der Passhoehe ein Knall: Patschen. Nach dem flicken schlepp ich mich die lezten Kilometer zum Hafen. Die Faehre ist natuerlich weg. Fuehl mich noch immer krank. Trostlosigkeit pur. Am liebsten waere mir ein Flieger nach Graz….

Athen

Am spaeten Nachmittag gibts dann wieder eine Faehre. Bei Einbruch der Nacht erreiche ich Patras und radle Richtung Athen. Da es mir beim radeln im Dunkeln immer ein bisschen mulmig wird, man hat staendig das Gefuehl, dass es der naechste LKW jetzt aber bestimmt der ist, der einen erwischt, biege ich bald ab und suche nach einem Platz fuer mein Zelt. Am Ufer entlang. Es ist totenstill , bis auf das Bellen unzaehliger Hunde. Dann steht ein Mann vor mir und leuchtet mich mit seiner Stirnlampe an. In seiner Hand haelt er ein grosses, glaenzendes Messer. Ich mach schnell wieder kehrt und fahr zurueck auf die Hauptstrasse. Wahrscheinlich wars ein Fischer, aber allein im Dunkeln scheint alles ein bisschen unheimlicher…Nach 30km find ich einen Campingplatz und fuehl mich sicher.

In den naechsten zwei Tagen fahr ich 200km und erreiche schliesslich Athen. Smog, Wahnsinnsverkehr, ueberall protestierende Linke, viel antikes Zeugs…ich fuehl mich richtig wohl.
Am Morgen des folgenden Tages mach ich mich an meinen eigentlichen Athen-Auftrag: Botschaften abklappern, Visa beantragen. Das konnte ich in Oesterreich nicht, da man in viele Laender schon ein Monat nach dem Visumsantrag einreisen muss.
Das Botengen erwacht zum leben und ich geniese den Verkehr und das “nicht an Regeln halten” aller, in vollen Zuegen. In meiner Euphorie fahr ich gleich einmal auf die falsche Seite von Athen. Vor einem abbruchreifen Haus muss ich feststellen, dass das wohl nicht die iranische Botschaft ist. In Athen gibts leider die gleichen Strassennamen in verschiedenen Bezirken. Also auf die andere Seite der Stadt, ins Nobelvillenviertel. Dort steht so etwas, dass aussieht wie ein Hochsicherheitsgefaengniss fuer Superreiche: Ja , dass ist die iranische Botschaft. “Sie koennen schon um ein Visum ansuchen, wenn sie unbedingt wollen. Dauert zwei Wochen und kostet 60 Euro. Die bekommen sie auf keinem Fall zurueck.” Naja, was bleibt mir anderes uebrig. Ich muss ja irgendwie durch den Iran. Der Beamte schaut mich herablassend an: “Wenn sie unbedingt wollen… 2 Passfotos bitte….der auf dem Fotot schaut nicht aus wie sie.” “Aber das ist das Foto aus meinem Reisepass…”Ich hol meinen Trumpf heraus und geb ihm zwei weiter Passfotos, auf denen ich mehr wie ein drogensuechtiger Schwerstverbrecher ausschau. “Die sind gut. You look more like a man.” Aha. Ich fuell meinen Antrag aus. Auf einmal wird er ganz freundlich. Er hat innerhalb von 10 Minuten meine Passfotos verloren. Ich geb ihm wieder die ersten Jetzt sind sie auf einmal sehrwohl gut genug….
Weiter zur pakistanischen Botschaft. In einem heruntergekommenen Wohnhaus befindet sich im fuenften Stock, in einer noch heruntergekommeneren Wohnung, tatsaechlich die Botschaft. Ich werde sehr nett empfangen. Lang und breit interviewed. Warum ich keinen Sponsor habe…und aehnliche Fragen. Man koenne mir leider kein Visum geben weil man die Autorithaet nicht habe und aus Gruenden die man mir nicht erklaeren koenne. Ich sol les in Teheran noch einmal versuchen.
Indien ist dann sehr nett. Ich bekomme als Hausaufgabe einen Brief fuer die Botschaft zu schreiben. Aber dann sollte mein Visum kein Problem sein. Dauert sieben Tage.

Naxos

Da ich nicht 2 Wochen im teuren Athen warten will nehm ich eine Faehre nach Naxos. Dort verbringe ich mehr als zwei wunderschoene Wochen. Also falls jemand mal auf etwas warten muss: Ich kann Naxos nur empfehlen. Ich erkunde die Insel mitm Radl. Verbringe ein paar Naechte an einsamen Straenden mit hunderten Schafen. An einem Campingplatz baue ich meinen Stellplatz zu einem kleinen Café um. Ich ueberleg schon ob ich nicht etwas verlangen soll…aber schliesslich werde ich von zahlreichen Besuchern mit Naturalien bezahlt. Der Campingplatz war also mein Ghetto! Bam.
Fruehstueck und Wanderungen genies ich mit Carolyn. Einer amerikanischen Selbstversorgerbiobaeurin, die sich ihr Reisebudget durch Anbau von organischen Hanf zu “medizinischen Zwecken” verdient…Der Jakob kommt mich mit seiner Freundin aus Oesterreich besuchen. Gemeinsam besteigen wir den hoechsten Berg. Allerdings haelt irgend so ein wichtiges Band in seinem Fuss der Beanspruchung des Hinterlaufens nicht stand. Der Fuss wird doppelt so dick und ich muss ihn hunderte Hoehenmeter, auf meinem Ruecken, ins Tal schleppen…Nein, ganz so heroisch wars nicht. Das Meiste des Weges ist er selber gehumpelt.
Ja, und dazwischen gings zurueck nach Athen. Indien Visum ist klar. Iran Visum abgelehnt!!! Was nun!?!
Ich habe zwei Optionen: Noerdlich ueber Aserbaidschan, Kasachstan etc…Das ergibt allerdings zwei Probleme: An der chinesischen Grenze steh ich wieder vor Visaproblemen und es ist Herbst. Dort wirds also RICHTIG kalt. Deshalb entscheide ich mich dafuer es im Sueden zu versuchen.

Tuerkei

Mit drei Faehren schipper ich von Naxos nach Santorin, weiter nach Kos und von dort nach Bodrum. In Athen hab ich mir einen Bassersatz zugelegt: eine Ukulele. Grosszuegig hab ich die dann von meiner Oma gespendet bekommen: DANKE OMA! In Santorin und Kos hab ich dann als Strassenmusiker ein paar Euro verdient. Gar nicht soo schwer.
Bodrum, Tuerkei also. Von Albanien gings nach Griechenland gefuehlt in den Westen. In der Tuerkei fuehlt sichs dann wieder nach Balkan an. Der da ja laengst nicht mehr ist, aber auf alle Faelle Osten. Die Welt ist in der Tuerkei keine Scheibe und auch keine Kugel, sondern “viele Berge”. Ich radel innerhalb von 5 Tagen nach Antalya. Oft auf so etwas wie Autobahnen. Die mag ich aber inzwischen richtig. Ich weiss endlich fuer was der breite, freie Streifen auf der rechten Seite da ist: Ein Fahrradweg deluxe. Ich campe oft wild. Hoehepunkt ist dann ein 26km langer Anstieg.puhhhhhhh.Hat mir ein paar Teepausen gekostet. Dann befind ich mich jedoch in einer Tuerkei, fernab von Tourismus. Kein Mensch kann Englisch. Jeder gruesst. (Ja jeder, die Frauen senken meist ihren Kopf…) Die Landschaft ist wunderschoen, neben mir dreitausender, und am hoechsten Punkt befinde ich mich auf ueber 1500 Meter. Allerdings muss ich zugeben, dass ich ein paar Hoehenmeter geschummelt hab. Wenn so ein vollbeladener Uralt-LKW mit 13km/h vorbeikriecht, kann man halt der Versuchung, seine Hand rauszustecken und sich ein paar Meter ziehen zu lassen, nur schwer wiederstehen;) Und dann gings bergab nach Antalya. Durch eine wunderschoene sehr,sehr tiefe Schlucht. Leider hab ichs nicht gesehen, weil ich keinen gescheiten Schlafplatz gefunden hab und es wieder mal Dunkel war…
Und dann war da noch mein Puchy. So wurde mein Rad von allen englischsprechenden getauft. An einem Tag in den Bergen hatte ich so viele Defekte, dass ich sie gar nicht mehr zaehlen konnte: Anhaengekupplung komplett gebrochen (Ich nehm jedes Augenzwinkern in Richtung bobjak zurueck: Fuer alles das man mehr als 2000km haben will: bobjak rules) – irgendwie mit Draht wieder repariert, drei Speichen gerissen, schleichender Patschen am Anhaengerrad, wilder Achter, schleifende Bremsen etc. Viel Fluchen hat mich dann aber doch nach Antalya gebracht.

Mein Plan, da ich nicht unbedingt durch Syrien will: Mit einem Schiff nach Zypern und von dort eine Faehre nach Israel. Leider geht das Schiff nicht von Antalya sondern von Alanya. Und ich muss Gas geben: Die letzte Faehre in diesem Jahr von Zypern nach Israel ist bereits in einer Woche. Also schnell die 150km nach Alanya. Es ist wieder mal dunkel.(Genauer zum Dunkel-Dilemma: Ists hell sieht dich jeder. Ists dunkel und kein Mensch da, wirds leicht amal unheimlich, ists dunkel und es sind viele Menschen kannst net campen…) Am Weg erleb ich den totalen Tourismusschock: In manchen Orten ist alles zuerst in Deutsch und dann erst in tuerkisch angeschrieben. Aus den Bars groelen Deutsche deutsche Schlager. Die Orte sind haesslich. Keine Ahnung warum da jemand Urlaub macht! Bitte um eine Erklaerung!!
In Alanya die naechste Enttaeuschung: Das Schiff konnte wegen eines Sturms nicht anlegen. Das naechste faehrt im Maerz!! So lang will ich dann auch nicht warten. Ich muss in den naechsten Hafen: 300km nach Tascucu. Abe ich hab ja den Israel-Boot Stress. Also begeb ich mich schweren Herzens zum Busbahnhof. Dort muss ich dann sieben Stunden auf einen Bus warten, der auch Platz fuer mein Radl hat. Die Wartezeit gestaltet sich allerdings sehr angenehm. Da ich mit meinem seltsamen Gefaerht der absolute Bahnhofprominente bin, bekomm ich gratis Essen, viel Tee und zu guter letzt eine gratis Rasur beim Friseur.
In Tascucu die naechste Enttaeuschung: Das Schiff konnte wegen eines Sturms nicht anlegen. Das naechste faehrt Morgen. So lang kann ich dann aber schon warten. Am Weg zu einem Campingplatz seh ich eine 10 Quadratmeter grosse Werkstatt. Und dort treff ich Ihn. Den Meister. Er repariert alles an meinem Rad. Speicht mein Laufrad neu ein. Repariert den Anhaenger, die Bremsen und, um das alles zu toppen: Er schweisst an meinen Rahmen eine funktionierende Anhaengekupplung! Der Meister findet in seiner Miniwerkstatt jedes erdenklich Ersatzteil. Nach 2 Stunden bezahle ich 15 Euro. Wow.

Zypern

Endlich is es so weit. Ein Schnellboot nach Zypern. Die Fahrt dauert 2 Stunden. Da es doch ein paar Wellen gibt muss sich das halbe Boot uebergeben. Ich steh draussen und geniese meine verpasste Grazer Messe. In Zypern ists dann wieder mal Dunkel. Und aehnlich wie in der Tuerkei stimmen die Karten ueberhaupt nicht. In der Tuerkei hatte ich drei verschiedene Strassenkarten mit verschiedensten Strassen und Orten….In Zypern gibts den eingezeichneten Campingplatz natuerlich nicht. Wild campen ist mir wieder mal unheinmlich. Hier ist alles voll mit Militaer und ich hab keine Lust auf eine Landmine. Also gibts in Nicosia die erste Nacht in einem Hotel!!!
Am Morgen fahr ich wieder in den Westen nach Griechenland.
Die naechste Enttaeuschung: Das Boot nach Zypern geht, nicht wegen einem Sturm, sondern wegen geringer Nachfrage, nie mehr! Die einzige Schiffmoeglichkeit waere ein Kreuzfahrtschiff. Das nimmt kein Rad mit und ist sehr teuer. Das Rad muesst ich dann mit einem Containerschiff schicken. Leider nimmt mich, auch nach hartnaeckigem Fragen , und extra 80km zum Hafen radln, kein Containerschiff mit…Also bleibt nur mehr der Regelbruch. Nach laengerem ueberlegen, ob sich das ueberhaupt auszahlt, fliege ich Morgen nach Tel Aviv!Mit Rad. Von dort moechte ich nach Jordanien radeln und dann wirds kompliziert: Saudi Arabien. Keine Ahnung ob ich dafuer ein Visum bekomme. Ich braeuchte eine Einladung von einem Saudi Arabier. Also: Wenn jemand einen kennt : mir mitteilen!!!!! Anscheinend baut sich vor mir eine Mauer auf: Iran laesst mich nicht am Landweg, Irak, Saudi Arabien, Sudan…Ich komme anscheinend nicht durch. Im Notfall bleibt mir nur der Flug von Jordanien nach Indien…freies herumradeln ist 2011 also nicht so einfach…
Mal schauen was passiert! Irgendwas ergibt sich meistens.
Der Tacho sagt: 2998 km gradlt
Schoene Gruesse ihr Frierenden aus dem 30 Grad kalten Zypern
ska adlerauge flo

To be continued…